23.04.2009 – Gegen wirtschaftliche Krisenzeiten ist ein Kraut gewachsen: Netzwerke und Wirtschaftsförderer bringen potenzielle Partner aus Industrie, Forschung und Entwicklung in der Region Stuttgart zusammen.
"Jede Wirtschaftskrise hat einmal ein Ende und gerade dann müssen Unternehmen zukunftssicher aufgestellt sein", bringt Dipl.-Ing. Volker Schiek, Geschäftsführender Vorstand des Göppinger Kompetenznetzwerks Mechatronik Baden-Württemberg (KMBW), aus seiner Sicht die derzeitige Stimmungslage auf den Punkt. "Dynamische Netzwerke aus Industrie, Forschung und Entwicklung wie das KMBW bringen dazu in enger Abstimmung mit der Wirtschaftsförderung der Stadt Göppingen gezielt die Besten aus verschiedenen Branchen zusammen." Dabei liegen die Vorteile für alle Beteiligten auf der Hand: Netzwerkfirmen profitieren vom Know-how ihrer Network-Partner, aktuelle Aufgaben und geplante Neuentwicklungen lassen sich gemeinsam schneller, effizienter und kostengünstiger realisieren: ein entscheidender Pluspunkt im globalen Wettbewerb - nicht nur in Krisenzeiten.
Sebastian Mayer (29), Mit-Geschäftsführer des erst im Oktober 2008 gegründeten Göppinger Unternehmens "Parts4Industry", hat die Vorteile von Networking sofort erkannt. Seine im Göppinger Impuls- und Gründerzentrum Staufenpark angesiedelte Firma beliefert zahlreiche Maschinenbauer und Anlagenhersteller mit mechanischen und mechatronischen Bauteilen und Baugruppen - von der Entwurfszeichnung über die Prototypen bis zur Serienfertigung. "Durch die aktuelle Krisensituation brechen unter anderem im Maschinenbau bestehende Strukturen auf, Insolvenzen führen zu Umverteilungen auf dem Markt", erklärt Mayer. "Außerdem scheuen derzeit viele Firmen Investitionen in neue Produktionsanlagen und lassen ihre Teile lieber auf dem freien Markt fertigen. Hier sehen wir als Existenzgründer mit unserer Firma eine reelle Chance."
Dass Mayer und Kompagnon Jochen Schädel (36) bereits ein halbes Jahr nach der Firmengründung erfolgreich zahlreiche Kunden auch aus den Bereichen Lebensmitteltechnik und Windkraftanlagen akquirieren konnten, verdanken sie nicht zuletzt dem Engagement von Christine Kumpf. Die Leiterin der Stabstelle Wirtschaftsförderung der Stadt Göppingen brachte bereits beim ersten Kontakt Mayer und KMBW-Chef Schiek zusammen und vermittelte anschließend die passenden Räumlichkeiten im Gründerzentrum im Stauferpark.
"Durch unsere aktive Mitgliedschaft im KMBW konnten wir und unsere Netzwerkpartner von Anfang an voneinander profitieren", erläutert Mayer. "Und damit auch unsere Kunden." Dass die Wirtschaftsförderung Göppingen und das KMBW auch mit überregionalen Veranstaltungen wie der Stuttgarter Existenzgründermesse "Newcome" und der Weltleitmesse Motek für Montage und Handhabungstechnik Flagge zeigen, ist für deren Netzwerkpartner ebenfalls von immensem Vorteil.
Nicht nur Branchenneulinge, sondern auch Traditionsunternehmen profitieren von Netzwerken wie dem KMBW.
Beispiel: Ziegler Produktionssysteme in Göppingen. Der mittelständische Hersteller von Spann- und Automatisierungstechnik feiert 2009 sein 75-jähriges Firmenjubiläum und ist seit 2006 im KMBW aktiv. Geschäftsführer Ulrich Heuschkel: "Ziegler war bislang meist die verlängerte Werkbank von Werkzeugmaschinenherstellern oder Automobilzulieferern, jetzt wollen wir uns mit innovativen Eigenprodukten zusätzlich neue Märkte eröffnen. Die Krise in der Automobilindustrie hat uns darin sogar nochmals bestärkt."
Zukunftschancen rechnet sich Heuschkel für Ziegler vor allem in der Medizintechnik und auf dem Maschinenmarkt für Verbrauchsgüter aus. Konkret geht es dabei unter anderem um die Entwicklung von Maschinen und den passenden Spezialvorrichtungen zur Herstellung von Glasspritzen.
Unter dem Dach der Hesta Blasformtechnik GmbH - wie Ziegler ein Tochterunternehmen der Gansler-Gruppe - wird derzeit über neue Elektroantriebe für reinraumgeeignete Maschinen nachgedacht.
Eine Herkulesaufgabe, die Ziegler trotz einer eigenen kleinen Entwicklungsabteilung nicht alleine stemmen kann. "Über die Wirtschaftsförderung Göppingen und das KMBW bekamen wir unkonventionell und schnell Kontakt zur Fachhochschule Esslingen/Göppingen und der Universität Stuttgart", erinnert sich Heuschkel.
Quelle: Neue Württembergische Zeitung