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Mit gebündelter Simulation der Konkurrenz voraus

08.03.2008 – Auf dem Markt sind sie Konkurrenten, doch bei der Fahrzeugoptimierung durch Simulation haben zwölf Automobil- und Zulieferunternehmen mit der Uni Stuttgart gestern die Kooperation besiegelt. Sie gründeten das Automotive Simulation Center Stuttgart.

Neue Wege und kürzere Entwicklungszeiten bei Themen wie Leichtbau, Schadstoff- oder Geräuschreduzierung soll das frisch gegründete Automotive Simulation Center Stuttgart (ASCS) seinen Mitgliedern ermöglichen. Das Besondere: durch den Zusammenschluss sollen Projektaufträge zu hochkomplexen Simulationsrechnungen sinnvoll gebündelt werden. Zu dem Verein haben sich folgende Gründungsmitglieder zusammengeschlossen: die Automobilfirmen Daimler, Porsche und Opel, das Forschungsinstitut für Kraftfahrwesen und Fahrzeugmotoren Stuttgart, das Automobilzulieferunternehmen Karmann, der Supercomputingspezialist Cray, die Softwarefirmen Intes, Altair Engineering, Abaqus Deutschland, Dynamore und Engineous Software sowie das Virtual Dimension Center Fellbach. Auch das Karlsruher Institut für Technologie (KIT) will beitreten.
Der Stuttgarter Unirektor Wolfram Ressel erläuterte, wie es zu dem ungewöhnlichen Zusammenschluss kam: „Wir wollen anwendungsorientierte Forschung auf dem Gebiet des Automobilbaus bündeln und den Transfer der Ergebnisse zwischen Wissenschaft und Wirtschaft fördern." Durch das Höchstleistungsrechenzentrum biete Stuttgart hervorragende Bedingungen, um komplexe Modelle berechnen zu können. Einen weiteren Vorteil biete der neueingerichtete Exzellenzcluster zur Simulationstechnologie - ein Forschungsverbund, von dessen Ergebnissen in der Grundlagenforschung der ASCS ebenfalls profitieren könne. Auch im Wissenschaftsministerium begrüßt man die Gründung des ASCS. Damit könne die KfZ-Forschung im
Land stärker gebündelt werden. Das Land und die Uni Stuttgart haben als Startfinanzierung je 350 000 Euro bereitgestellt. Die Mitglieder zahlen eine Aufnahmegebühr und Beiträge, und sie geben Projekte in Auftrag. Der Verein besteht aus einem Geschäftsführer und vier Mitarbeitern, die sich um Koordination und Transfer der Projekte kümmern.
Armin Müller, Leiter Innovation und Konzepte bei Porsche, erklärte, die Digitalisierung der Entwicklung sei ein wichtiger Schlüssel, aber auch die Verbindung zur Uni und zu den Zulieferanten sei von Bedeutung: „Keiner schafft es mehr, es allein zu tun." Auch Thomas Breitling von Daimler betonte, Themen wie Sicherheit, Verbrauchsoptimierung. Komfort und Langlebigkeit würden auf dem Rechner entwickelt, und gerade in dieser frühen Phase seien Geschwindigkeit und Effizienz Trumpf. Entscheidend sei, neues Wissen rasch anwendbar zu machen - „das ist heute der „Flaschenhals". Reinhard Helfrich, Geschäftsführer von Intes, sagte: „Eine Initiative war dringend notwendig, bei der die Software im Fokus steht." Deren Bedeutung werde in der Automobilentwicklung immer größer, bestätigte Armin Müller von Porsche. Allein um einen Verbrennungsprozess zu optimieren, müsse man 1200 Gleichungen simultan lösen - „das geht selbst mit einem großen Rechner nicht, da braucht man Ersatzmodelle, aber auch Knowhow über Chemie, Anwendung und Software".
Berührungsängste untereinander haben die Automobilkonkurrenten in dieser Phase nicht, solange es etwa um die Physik strömungsmechanischer Vorgänge oder um Hybridstrategien für Fahrzeuge gehe, versichert Ulrich Mellinghoff (Daimler): „Wir sprechen auch gemeinsam darüber, wie wir unsere Fahrzeuge erproben." Auch Rektor Ressel sieht mehrfachen Nutzen für alle Beteiligten: In die Uni würden Zukunftsthemen hineingetragen, sie profitiere vom Schulterschluss mit der Industrie und jene wiederum vom Ingenieurnachwuchs. Und: „Die Vereinsgründung trägt dazu bei, unsere Uni auch im Exzellenzwettbewerb konkurrenzfähiger zu machen."

Quelle:Stuttgarter Zeitung