27.03.2008 – Ingenieure sind Mangelware. Der Technologiekonzern Bosch hat beispielsweise die Schülerinnenakademie Girls-Campus ins Leben gerufen, um Mädchen Lust auf Technik zu machen. Mit im Boot sitzt dabei auch die Göppinger Hochschule.
Den derzeit größten Leidensdruck sieht der Geschäftsführer des Göppinger Mechatronik-Netzwerks, Volker Schiek, beim Ingenieurmangel. Unterstrichen hat er das mit einer Umfrage unter Unternehmen.
Im Auftrag der Wirtschaftsfördergesellschaft Region Stuttgart (WRS) hat Schiek im Herbst regionweit 15 Firmen mit maximal 250 Beschäftigten und zwei Großfirmen zu ihrer Fachkräftesituation befragt. Das Ergebnis: Den Betrieben, die in Summe 3925 Mitarbeiter haben, fehlen 200 Ingenieure und Techniker. "Die inhabergeführten Mittelständler fühlen sich als Verlierer, weil ihnen die Konzerne den Nachwuchs absaugen", so der Netzwerker.
Weil die Erfahrung zeige, dass jeder zweite Student, der einen Mittelständler von innen erlebt hat, hinterher auch dort arbeiten möchte, gehe es darum, den technischen Nachwuchs in die Betriebe zu holen. "Die Jobs gelten als interessanter, weil man mehr Verantwortung und Gestaltungsspielraum hat", weiß Schiek. In den Klein- und Mittelständischen Unternehmen (KMU) sei Personalpolitik noch Chefsache. Doch den Inhabern fehle die Zeit, sich durch alle Förderprogramme, Anlaufstellen und Bildungsprogramme durchzuarbeiten.
"Wenn die nach 30 Minuten nicht fündig werden, holt sie das Tagesgeschäft wieder ein", sagt der Geschäftsführer des Kompetenznetzwerks für Mechatronik. Die meisten seiner 80 Mitglieder mit 25 000 Beschäftigten und 3,5 Milliarden Euro Jahresumsatz fühlten sich "vom Aktionismus beim Fachkräftemangel im Stich gelassen". Immer mehr erkennen, dass sie sich selbst helfen müssen und dabei das Netzwerk eine koordinierte Rolle übernehmen muss. Das reicht von Betrieben, die mit ihren örtlichen Schulen kooperieren, über Aktions- und Techniktage in Firmen bis hin zur Smart-Spende der Salacher Firma Heldele an die Göppinger Hochschule, um hier mit einer rollenden Litfaßsäule im Bewusstsein der Studierenden präsent zu sein. Andererseits müssen die Studenten neben der fachlichen ingenieurmäßigen Kompetenz auch kaufmännisches Verständnis entwickeln, Projektmethodik beherrschen und Konflikt- und Teamfähigkeit trainieren.
Wichtige Partner sind hier der Weiterbildungsdienstleister Garp in Plochingen und Göppingen, mit dem etwa das Berufsbild des Systemtechnikers für Mechatronik vor drei Jahren entwickelt wurde; IHK und Hochschule, mit denen die Kombination aus Lehre und Studium, Mechatronikplus, möglich wurde, oder der Verein Skills Germany, der deutsche Teams auf die internationale Berufsolympiade WorldSkills vorbereitet. Neu im Programm ist das berufsbegleitende Ingenieursstudium an der Technischen Akademie Esslingen (TAE) und die im Aufbau befindliche Lernfabrik, die das Netzwerk zusammen mit dem Fraunhofer Institut IPA betreiben wird. Dabei geht es um eine nachuniversitäre Fort- und Weiterbildungsplattform, um neue Forschungserkenntnisse und deren Praxistransfer schneller und virtuell zu kommunizieren. Die Lernfabrik soll mittels e-Learning und anderer Methoden dazu beitragen, Spitzenkräfte zu ermitteln und zu qualifizieren.
Quelle: Neue Württembergische Zeitung