15.03.2008 – Die Landkreise Rems-Murr, Heilbronn, Hohenlohe und Schwäbisch Hall habens's geschafft: Sie haben einen Platz an einem der Fördertöpfe der Europäischen Union ergattert, mit denen der ländliche Raum entwickelt werden soll. Der Rems-Murr-Kreis beteiligt sich mit dem Projekt „Virtuelle Limeswelten".
Im hohenlohischen Pfedelbach hat jüngst die Auftaktveranstaltung der Leader-Kreise stattgefunden. Gefördert werden laut Pressemitteilung der Limesregion zunächst zwei Gebiete, nämlich „Hohenlohe-Tauber" sowie die „Schwäbische Limesregion", zu der Teile des Ostalbkreises, des Rems-Murr-Kreises und des Landkreises Schwäbisch Hall gehören. Leader steht für „Liaison entre actions de développement de l'économie rurale", zu Deutsch: Verbindung zwischen Aktionen zur Entwicklung der ländlichen Wirtschaft.
Die Limesregion will vier Handlungsfelder beackern: Erstens Dorfattraktivität und Stärkung der Wirtschaft, zweitens Landschaftstourismus sowie Naherholung und
Kultur; drittens die verstärkte Nutzung regionaler Ressourcen und interkommunale Zusammenarbeit, viertens Landnutzung sowie Erhalt und Weiterentwicklung der Kulturlandschaft.
Im Anschluss an die Informationsveranstaltung fand die konstituierende Sitzung der Leader-Aktionsgruppe Limesregion statt. Landrat Helmut M. Jahn (Schwäbisch Hall) wurde als Vorsitzender der Aktionsgruppe vorgeschlagen und einstimmig gewählt. Zum stellvertretenden Vorsitzenden wurde der Landrat des Rems-Murr-Kreises, Johannes Fuchs, gewählt.
Der Rems-Murr-Kreis beteiligt sich mit dem Projekt „Virtuelle Limeswelten" an Leader. In der sogenannten „Limesregion" wird das archäologische Denkmal und seine Geschichte mit Hilfe modernster Visualisierungstechniken der Bevölkerung zugänglich gemacht.
60 Kilometer Verbindendes
Der Obergermanisch-Raetische Limes, die Grenze zwischen dem Imperium Romanum und den Germanen im zweiten und dritten Jahrhundert nach Christus, gehört seit 2005 zum Unesco-Welterbe. Im Dezember 2007 wurde ein Teil des Limes, das Aktionsgebiet „Limesregion", in das Förderprogramm Leader der Europäischen Union und des Landes Baden-Württemberg aufgenommen.
Die Limesregion verbindet 39 Kommunen in den Landkreisen Heilbronn, Hohenlohekreis, Rems-Murr-Kreis und Schwäbisch Hall. Nahezu schnurgerade verläuft der Limes auf rund 60 Kilometern Länge als verbindendes Element durch 13 dieser Kommunen zwischen Alfdorf (Rems-Murr-Kreis) im Süden und Schöntal (Hohenlohekreis) im Norden.
In diesem Raum soll das verborgene Denkmal mit modernsten Visualisierungstechniken einer breiten Bevölkerung zugänglich gemacht werden. „Damit wollen wir ein gemeinsames Bewusstsein für das historische Erbe wecken", so Prof. Dr. Dieter Planck, Präsident des Ländesamtes für Denkmalpflege und Direktor des Archäologischen Landesmuseums Baden-Württemberg.
„Insbesondere der sensationelle Fund des Welzheimer Doppelkastells ruft danach, über modernste Visualisierung rekonstruiert zu werden. Auf diese Weise werden die faszinierenden Inhalte dieser größtenteils verborgenen Fundstätte für die Bevölkerung erlebbar", erläuterte Landrat Johannes Fuchs.
Hauptpartner für die technische Realisierung ist das Virtual Dimension Center (VDC) Fellbach, das sich als führendes Kompetenzzentrum für Virtuelle Realität bundesweit einen Namen gemacht habe. Dreidimensional visualisiert soll der historische Limes künftig eingebettet in die originale Topografie und die damalige Vegetation auf speziellen Bildschirmen gezeigt werden.
Hubschrauber vermisst den Limes
Zur exakten Ermittlung der Geländeoberfläche am Limes will das Landesamt für Denkmalpflege im Regierungspräsidium Stuttgart noch im Frühjahr 2008 die moderne Methode LIDAR (Light Detection And Ranging) einsetzen: vom Hubschrauber aus wird ein Laserscan der Landschaft mit den obertägig sichtbaren Resten des Limes erstellt.
Die hoch auflösenden Bilder können im Rahmen des Projekts gewinnbringend genutzt werden. „Man wird sozusagen mitgenommen auf eine virtuelle Zeitreise entlang des Limes"; beschreibt Jens Mohrmann, Geschäftsführer des VDC Fellbach, die geplante Vermittlung historischer Substanz. Dabei werden modernste mediale Anwendungsformen mit wissenschaftlich fundierten Inhalten und einem schlüssigen didaktischen Konzept verbunden. Nach den Plänen der Initiatoren könnten erste Ergebnisse bereits im Frühjahr 2009 der Öffentlichkeit vorgestellt werden.
Quelle: Waiblinger Kreiszeitung