27.01.2010 – Ohne Netzwerke geht auch in der Mechatronik nichts - das ist die einhellige Meinung von Experten aus Baden-Württemberg, die sich gestern in der Göppinger Stadthalle zu einem Workshop trafen.
Göppingen hat gute Chancen Sitz eines landesweiten Netzwerkes Mechatronik zu werden. Zwar erfolgt die Ausschreibung erst im März, doch Günther Leßnerkraus vom Stuttgarter Wirtschaftsministerium ließ gestern keine Zweifel aufkommen, dass er dabei auf die "Mechatronik-City Deutschlands, Göppingen, setzt. Zumal mit dem Kompetenznetzwerk Mechatronik dazu ideale Voraussetzungen geben seien. Christine Kumpf, Wirtschaftsförderin der Stadt Göppingen hörte es gerne. Mechatronik bilde zusammen mit dem Maschinenbau, so sagte sie, "die Kernkompetenz der Stadt": "Das Herz der Mechatronik schlägt in Göppingen."
Gerade solche Netzwerke wie das der Mechatronik in Göppingen seien für Unternehmer nahezu unerlässlich, so räumte Peter Kersten von der Telemotive AG in Mühlhausen ein, die 2000 mit gerade vier Mitarbeiter begonnen hat und heute 200 Beschäftigte zählt: "Da kommt es auch zu vielen Kontakten mit potenziellen Kunden, die man vorher nicht kannte." Das könne in manchen Jahren einen Mehrumsatz von zehn Prozent bringen.
"Mit neuen Ideen gestärkt aus der Krise" - so heiße denn auch der optimistisch formulierte Titel eines so genannten Cluster-Workshop, zu dem sich gestern gut 80 Experten und Unternehmer aus dem Maschinenbau in der Göppinger Stadthalle trafen. Speziell ging es um die Bedeutung der Mechatronik in den Zukunftsfeldern Elektromobilität und Produktionstechnik. Organisatoren dieses Workshops waren das Wirtschaftsministerium, das Steinbeis-Europa-Zentrum und das Kompetenznetzwerk Mechatronik mit Geschäftsführer Volker Schiek. Für Schiek eröffnet die mechatronische Denkweise - also die Verknüpfung von Mechanik, Elektronik und Informatik zur Entwicklung intelligenter technischer Systeme - "große Chancen für den Maschinenbau in vielen Zukunftsfeldern".
So sieht es auch Günther Leßnerkraus. Der Ministerialdirigent im Wirtschaftsministerium, der die Mechatronik als eine der "Schlüsseltechnologien, die der Wirtschaft helfen wird" bezeichnete. Er sei zuversichtlich, dass der traditionsreiche Maschinenbau-Standort Baden-Württemberg neue Wege findet, um in neuen Zukunftsfeldern vielversprechende Märkte zu erschließen.
Die rund 80 Workshop-Teilnehmer aus Wirtschaft, Wissenschaft und Verwaltung ließen sich von den Referenten auch über die Chance in der Elektromobiliät (Danny Kreyenberg von der Daimler AG) und über die Strategien der französischen Mechatronik und Maschinenbau-Cluster in Rhone-Alpes (Lina Albers von Arve Industries) informieren.
Zu den Referenten zählte auch Prof. Dr. Jürgen Fleischer, Chef des auch in Göppingen ansässigen Maschinenbauers MAG. Er meinte mit Blick auf die anhaltenden Diskussionen zum Produktionsstandort Deutschland: "Produktion allein ist nicht mehr sexy. Wir dürfen diesen Teil der Wertschöpfung aber nicht aus der Hand geben." Künftig gehe es nicht nur darum, Maschinen zu verkaufen. Die Kunden wollten vielmehr Komplettlösungen, für deren Erstellung allerdings Technologiepartner und vernetze Strukturen notwendig seien.
Laut Dr. Björn Sautter, Projektleiter beim mitveranstaltenden Steinbeis-Europa-Zetnrum in Stuttgart, sollte eben bei der Suche nach neuen strategischen Partnern auch über den Tellerrand hinaus geblickt werden.
Quelle: Südwest Presse